02212017Headline:

Nigerdelta

Qualvoller Tod

Das etwa 200 km breite Nigerdelta ist das Mündungsdelta des Nigers in Nigeria. Der Fluss mündet bei der Stadt Port Harcourt in den Golf von Guinea, der Teil des Atlantiks ist.

Nahezu jeder spricht heute von der Ölpest im Golf von Mexiko. Die Umweltkatastrophe am Nigerdelta rückt dabei in den Hintergrund.

In den letzten fünfzig Jahren verschmutzten etwa 1,5 Millionen Tonnen Rohöl das Ökosystem der westafrikanischen Region. Allein im Nigerdelta lief durchschnittlich 300 Mal pro Jahr Öl aus, z. Bsp. an Anlegebrücken, aus Pipelines oder von Bohrinseln. Die Folgen: Fischer fangen nichts mehr – müssen deswegen um ihre Existenz bangen, Pflanzen gehen zugrunde (sie sind nicht mehr grün, sondern sehen wie verbrannte, schmierige Stöcke aus), Luft, Gewässer und Böden sind komplett verschmutzt, der Lebensraum der Tiere wird vollends zerstört.

Doch auch die Menschheit ist gefährdet. Die Lebenserwartung der Einwohner, die nahe des Nigerdeltas sesshaft sind, sank auf 45 Jahre. Im Rest des Landes ist sie 10 Jahre höher.

Keine Aussicht auf Besserung im Nigerdelta

Die Nigerianer richten ihre Wut gegen die Ölmultis „Shell“, „Chevron“, „ExxonMobil“ und „Total“. Diese betonen jedoch in zahlreichen Interviews, dass das Öl das Ökosystem aufgrund von Sabotage und illegalem Anzapfen der Pipelines zerstört.

Die Menschen am Nigerdelta sind zum Teil so verzweifelt, dass sich inzwischen Gruppen gebildet haben, die um das Überleben des Deltas kämpfen. Bewaffnete Kämpfe, Schusswechsel, Entführung der „Shell“-Mitarbeiter, Anschläge auf Pipelines und Diebstahl gehören dabei zur Tagesordnung. Ein Ende – sowohl der Gewalt als auch der Ölpest – ist nicht abzusehen und die Welt muss weiterhin zusehen, wie eines der ehemals fruchtbarsten und schönsten Flussdeltas der Welt qualvoll stirbt.