02212017Headline:

Britischer Kolonialismus und Nigeria

Britischer Kolonialismus und Nigeria sind durch eine lange und bewegte Geschichte miteinander verbunden. Während des 16. und 17. Jahrhunderts stiegen die Bevölkerungszahlen Großbritanniens sehr schnell an. Migrationsbewegungen von ländlichen zu städtischen Gebieten waren deshalb an der Tagesordnung. Dadurch wuchsen in den Städten sowohl nationalistische Gefühle als auch Feindseligkeiten gegenüber Minderheiten. Nicht-englische Europäer wurden ebenso wie Afrikaner und Juden vielfach als „Fremde“ oder „Fremdlinge“ bezeichnet. Zur selben Zeit begann Großbritannien seine Reisen als Händler und Kolonialmacht in Übersee.

Der Beginn des britischen Kolonialismus war von der vagen Hoffnung gekennzeichnet, dass die vielfältigen Probleme Großbritanniens wie Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Hunger durch die Ausdehnung des Territoriums auf andere Länder gelöst werden können. Die nationale Identität Großbritanniens konnte sich nur durch die Begegnungen mit Außenseitern, zuhause oder in der Fremde, formen. Durch die Abgrenzung von den fremden Kulturen konnten sowohl Interaktionsmöglichkeiten mit diesen etabliert, als auch die Regeln der Diplomatie, des Handels, der Kolonialisierung und der Sklaverei festgelegt werden. Nur auf diese Weise konnte das christliche Europa seine historische Dominanz über andere Völker erreichen. Die Devaluierung der Schwarzen aus der Sicht der Europäer machte es leichter, ihre Ausnutzung zu legitimieren.

Nigeria und der britische Kolonialismus

Britischer Kolonialismus und Nigeria sind in diesem Zusammenhang zwei eng miteinander verknüpfte Begriffe. Nachdem Nigeria am Ende des 15. Jahrhunders erstmals mit Portugal Handel in Form des Austausches von europäischen Waren gegen Elfenbein und Sklaven betrieben hatte,
entdeckten Mitte des 16. Jahrhunderts auch die Briten die Vorteile der Ausbeutung Nigerias für sich. Auch vor der Einmischung der Europäer hatte es schon eine gewisse Art von Sklavenhandel gegeben, doch erst jetzt wurden die verkauften Menschen wie reine Waren ohne jegliche Menschenrechte behandelt. Aus diesem Grund wurde im 19. Jahrhundert der Sklavenhandel von den europäischen Mächten gesetzlich verboten. Die amerikanischen Kolonialmächte hielten sich jedoch nicht an diese Gesetze und brachten weiterhin Tausende von Sklaven nach Amerika. Im Jahre 1886 wurde der Bezirk Lagos von den Briten zur Kronkolonie erklärt, wodurch sich der britische Einfluss in Nigeria langsam weiter ausbreiten konnte. Um 1900 entwarf der britische Hochkommissar Frederick Lugard das System der indirekten Herrschaft, das die vorhandenen Machtstrukturen des Landes zum Werkzeug der Kolonialherren machte. 1960 endete das Zeitalter des britischen Kolonialismus in Nigeria, als das Land mit einer föderalen Verfassung die Unabhängigkeit von Großbritannien erlangte.

Bildquelle: © Jeremy Weate „Tomb of a British soldier at Zungeru cemetery“
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